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Corona-Krise: Zwischen Infektionsschutz und Versorgungsanforderungen

HEILBRONN/GÜNZBURG (blu) – Seit Wochen hält die Corona-Pandemie die medizinische Versorgung weltweit in Atem. Auch die hautärztliche Versorgung im Süd-Westen Deutschands ist betroffen. Kliniken und Praxen stellen sich den Herausforderungen des Infektionsschutzes angepasst auf die Situation vor Ort. Eine Zwischenbilanz.

Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zählten frühzeitig zu den Brennpunkten der Coronaepidemie. Von dort kommen jetzt erste Hoffnungszeichen. Die Hautklinik Erlangen hat knapp drei Wochen nach der Teilschließung ihren Betrieb wieder voll und ganz aufgenommen. Die Corona-Infektion eines 61-jährigen Oberarzten gab den Anstoß, die Klinik zeitweise herunterzufahren. Er litt in der 14tägigen Quarantäne lediglich an leichten grippeartigen Symptomen, inzwischen ist er gesund aus der Isolierstation entlassen worden. Der flüchtige Kontakt mit einem Kollegen bei einem Ärzteworkshop in München, der zurück in seiner Heimat Italien positiv auf Sars-CoV 2 getestet wurde, war der Auslöser.

Dr. Andras Roszondai mußte nach einem positiven Covid-19-Befund seine Praxis schließen. Bei ihm blieb der Infektionsweg unklar. Der in Radolfzell am Bodensee niedergelassene Dermatologe hat täglich Kontakt zu vielen dutzend Patienten, aber auch eine Infektion in der Freizeit hält er für denkbar.

Als er unmittelbar nach der Vormittagssprechstunde ein rasch ansteigendes Fieber feststellte, wandte er sich an das zuständige Gesundheitsamt. Doch die Behörde sah keinen Anlaß für einen Test, berichtet Roszondai. Da er sich nicht in einem der schon bekannten Risikogebiete aufgehalten habe, komme eine Untersuchung von Amts wegen für ihn nicht infrage, so die Auskunft. Roszondai veranlasste schließlich eine Blutuntersuchung auf eigene Kosten und blieb zuhause. Das Labor bestätigte schließlich seinen Verdacht.

Doch damit war die Sache für den Hautarzt noch längst nicht erledigt: Die Lage im Landkreis Konstanz spitzte sich in den folgenden Tagen zu, die Zahl der Neuinfektionen stieg drastisch an, auch ein Sportverein war betroffen. Die lokale Presse berichtete, Roszondai habe  „trotz Infektion in seiner  Praxis gearbeitet“ – angeblich noch „tagelang“  – und dabei mit rund 100 Personen Kontakt gehabt.

Um dem Eindruck entgegenzutreten, er habe sich verantwortungslos verhalten, wandte sich der Hautarzt schließlich an die überregionale Tageszeitung. In einem Interview mit dem „Südkurier“ stellte er klar, dass er auf seinen Anfangsverdacht hin nicht mehr in die Praxis zurückgekehrt sei und das Untersuchungsergebnis abgewartet habe.

Die Kehrseite der gleichen Corona-Bestimmungen bekam Dr. Ralph von Kiedrowski zu spüren. Zurück aus dem Schnee  im Tiroler Pitztal schickte ihn das Gesundheitsamt des Westerwaldkreises für 14 Tage in häusliche Quarantäne, obwohl der vorsorglich durchgeführte Test auf das Coronavirus unauffällig blieb. Langeweile kam bei dem Westerwaldes Dermatologen und Praxisnetz-Vorstandsmitglied  im home-Office dennoch nicht auf. Er war einer der ersten  Online-Doctors in Deutschland überhaupt und baute in der Quarantäne sein Online-Sprechstundenangebote aus. Die Praxis lief mit der im Januar neu in Teilzeit angestellten Kollegin und von Kiedrowski im Hintergrund auf kleiner Flamme weiter.

Bei den Anbietern von telemedizinischen Leistungen steigt seit Ausbruch der Corona-Pandemie die Nachfrage beinahe so steil wie die Infektionsraten an. Innerhalb von nur zwei Wochen verzeichnete OnlineDoctor 24, das telemedizinische Angebot des BVDD für seine Mitglieder, 80 neue Interessenten.150 Dermatologinnen und Dermatologen beteiligen sich inzwischen bereits an diesem erst wenige Monate jungen Angebot – und es werden jetzt beinahe -täglich mehr.

Wieder geöffnet ist inzwischen auch die Hautarztpraxis von Dr. Albert Frank in Tirschenreuth.  Sie war nach dem Besuch eines 83jährigen positiv auf den Corona-Virus getesteten Patienten vorsorglich vom Gesundheitsamt geschlossen worden. Inzwischen hat das Robert-Koch-Institut (RKI) neue „Optionen“  veröffentlicht mit dem Ziel, ein Ausdünnen der Personaldecke unter Pandemie-Bedingungen möglichst zu vermeiden: Medizinpersonal muss „nach engem ungeschütztem Kontakt zu Covid-19-Erkrankten“ diesen neuen Regelungen zufolge nicht mehr regelhaft zwei Wochen in Quarantäne und kann „bei dringendem Bedarf“ in Klinik oder Praxis arbeiten, „solange keine Symptome auftreten“. Die Einzelheiten sollten mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt werden, empfiehlt das RKI. 

Um Corona-bedingte Schließung möglichst zu vermeiden, reagierten Hautarztpraxen, die an der Versorgungsfront die Stellung halten, umgehend auf die sich immer bedrohlicher zuspitzende Entwicklung. In Mannheim wirbt Dr. Christian Riedel seitdem mit seiner Kompetenz und der frisch erworbenen Zusatzbezeichnung als Hygienebeauftragter Arzt darum, ihn bei Corona-Symptomen schon vor dem Besuch der Praxis per Mail zu informieren.

Andere werden da schon deutlicher: „Haben Sie Krankheitssymptome, welche eine Corona Infektion nicht 100% sicher ausschließen lassen, so betreten Sie in keinem Fall die Praxis,“  lautet so oder ähnlich die dringliche Warnung, die über Websites, auf Anrufbeantwortern, von Helferinnen am Telefon und auch schon am Eingang zur Praxis den Patienten in zahllosen Praxen vermittelt wird. Zum Schutz der Mitarbeiter und zur Sicherstellung des weiteren Betriebs.

Die Wartezimmer bleiben in vielen Hautarztpraxen geschlossen. Die Hautarztpraxis von Dr. Bernd Salzer beispielsweise hat den Empfang vor die Praxistür verlegt. Im Eingangsbereich nimmt eine Mitarbeiterin die Krankenversicherungskarte entgegen und notiert den Namen und die Handynummer. Die Patienten sind gehalten, sich dann für einige Minuten – max. 2-3 Gehminuten – zu entfernen. Wird ein Behandlungsraum frei, erhält der wartende Patient per Handy eine Nachricht. In der Praxis wird er von einer Mitarbeiterin unverzüglich in den freien Behandlungsraum. geführt. Im übrigen wird Desinfektion wird groß geschrieben.

Auch in der Woche vor Ostern fehlt in vielen Praxen allerdings immer noch die nötige Schutzausrüstung. Oft kommen ersatzweis OP-Gesichtsmaske zum Einsatz. Nur: die schützen zwar die Patienten vor einer Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus, nicht aber Ärzte und Mitarbeiter.

Für den bestimmungsgemäßen Gebrauch werden täglich je nach Patientenaufkommen Dutzende der FFP2-Atemschutzmasken benötigt. Auf den üblichen Vertriebswegen stehen Hautarztpraxen bei der Verteilung weit hinten in der Prioritätenliste. Selbsthilfe bei der Beschaffung ist angesagt. In der Hautarztpraxis Gass in Günzburg ist eine handwerklich geschickte Mitarbeiterin dazu übergegangen, die nötigen Masken selbst anzufertigen, das dazu benötige Filtermaterial stammt aus der Lüftungstechnik.

Im übrigen entwickeln Hautarztpraxen je nach Lage unterschiedliche Strategien, die Patientenkontakte zu verringern und dem drohenden Shutdown zu begegnen. Gemeinschaftspraxen und andere Organisationsformen der Zusammenarbeit von Ärzten sind klar im Vorteil:  Die Hautarztpraxis Shih in Leonberg beispielsweise stellte zunächst auf Schichtbetrieb um.

Im Münchener Südwesten haben die Hautärztinnen und Hautärzte um Dr. Oliver Wilde den Betrieb der Stammpraxis in Gilching vom Betrieb der Filiale in Herrsching organisatorisch komplett entflochten. „Sollte eine Praxis schließen müssen wegen Corona-Verdacht, kann die andere Praxis weiter arbeiten,“ erläutert Dr. Wilde. Für manche Patienten hat das unter Umständen zur Konsequenz, dass ihr Termin bis auf weiteres möglicherweise nicht beim vorgesehenen Arzt, sondern seiner Vertretung stattfindet – aber immerhin: der Praxisbetrieb geht dann noch weiter…

Shihs und Wildes Gersthofener Kollege Dr. Christian Rohrer-Höffgen schloß „aus aktuellem Anlass“ die Filialpraxis in Harburg: einem lokalen Hotspot der Corona-Pandemie.

Dr. Daniela Uribe Holmgren hat angesichts der Lage bereits Mitte März einen radikalen Schnitt vollzogen. Sämtliche teils bereits seit Monaten vergebenen Termine sind gecancelt. Die Praxis in Fulda bleibt bis auf weiteres geschlossen. Nur Notfälle werden noch in der Zeit von 8 bis 15 Uhr vor Ort behandelt. Die Hautärztin empfiehlt ihren Patienten und auch den hautgesunden Besuchern des Laserzentrums zu Hause zu bleiben und setzt auf das Internet.

„Ich bin Ärztin,“ sagt sie. „Ich muss die Patienten und meine eigene Familie in meinem Umfeld schützen. Wir müssen die Infektionskette unterbrechen.“ Die gesundheitliche Gefährdung durch die Epidemie  werde allgemein unterschätzt. Zu ihrer Familie zählen drei kleine Kinder: drei Monate, zwei und vier Jahre jung.

Die Kassenärztliche Vereinigung hat die technische Aufrüstung finanziell unterstützt. Die Umstellung des Praxisbetriebs gelang binnen weniger Tage .

Vorteil für die Versorgung:  "Wir können nun unbegrenzt Patienten beraten,“  so Uribe Holmgren. Ungelöst ist bislang allerdings noch, wie die Besucher der Telemedizin-Sprechstunde online zu ihrem Rezept kommen.

Nachteil: Patienten, deren Wartezeit in diesen Wochen jetzt abläuft, sind verärgert.

Die Handhabung sei einfach, selbst Ältere nutzen – manche mit Unterstützung der Enkel – über Smartphone, Tablett oder Computer das neue Angebot. Die ersten Online-Sprechstunden seien auch für sie als Ärztin eine schöne Erfahrung gewesen. Die älteren Patienten seien so dankbar. Und es bleibe mehr Zeit zum Gespräch.

Die zeitliche Taktung mit rund 15 Minuten pro Patient ist online allerdings zur Zeit noch deutlich länger als im realen Praxisbetrieb. Das wiege auch der Gebührenzuschlag für die Online-Sprechstunde nicht auf. „Reich werde ich damit nicht,“ so das Fazit. Im Gegenteil: die Corona-Pandemie werde ihr herbe Umsatzeinbußen bescheren.

Erfahrene Berufspolitiker wie Dr. Salzer oder Dr. Gass tun sich noch schwer, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise klar zu beziffern oder gar zu bewerten. Amtlich angeordnete Praxisschließungen nach dem Infektionsschutzgesetz mit Erstattung des Verdienstausfalls von Amts wegen sind äußerst selten, in Baden-Württemberg zum Beispiel gleich Null. Doch es kommen weniger Patienten, und die Entzerrung der Wartzeiten führt automatisch zu einer rückläufigen Inanspruchnahme.

Kassenärzte erhalten in Baden-Württemberg eine garantierte Honorarzahlung in Höhe von 90% des Vergleichsquartals 2019. Für die privatärztliche Versorgung gibt es jedoch keine vergleichbare Regelung, mahnt Salzer an und fordert übergangsweise eine pauschalen Abschlag für die Zeit der Corona-Pandemie. Betroffen sind auch die ästhetisch-korrektiven, die Selbstzahler- und Wunschleistungen, die je nach Praxisprofil einen wesentlichen Anteil zum Umsatz beisteuern.

Von Überlegungen, grundsätzlich sämtliche Hautkrebsvorsorgeleistungen auszusetzen halten Salzer und Gass beide nichts „Unsere regulären Hautpatienten haben ganz genau wie jder Corona-Patient auch während der Krise einen Anspruch auf eine ordentliche Versorgung,“ unterstreicht Dr. Gass. „Das können wir nicht immer weiter verschieben.“  Auch nach der Rückkehr zur Normalität werden, so die Prognose, die Hautarztpraxen wieder wie all die Jahre am Limit arbeiten mit langen Wartezeiten für die Patienten.

 

 


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